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Ist mein Hund dominant? Mache den Test!

Der Begriff Dominanz wird leider noch in vielen Online-Artikeln und den Sozialen-Medien fälschlicherweise als eine Charaktereigenschaft von Hunden interpretiert. Typische Aussagen sind z.B.: “Wenn dein Hund, einem anderen Hund die Pfote auflegt, ist er dominant”, “Wenn dein Hund sich groß macht und die Rute hochträgt, ist er dominant”, “Wenn dein Hund sich aggressiv gegenüber anderen Hunden verhält, ist er dominant” usw. Leider sind diese Aussagen unzureichend und teilweise sogar völlig falsch! Deswegen möchten wir dir mit diesem Beitrag einen Überblick darüber geben, was Dominanz wirklich ist und warum es kein Problem darstellt, wenn dein Hund in einer Situation dominant ist.

Was ist Dominanz?

Dominanz ist ein Beziehungsmerkmal und keine Charaktereigenschaft. Das bedeutet, dass dein Hund nicht einfach als dominant beschrieben werden kann, sondern es mindestens einen weiteren Hund geben muss, der sich deinem Hund freiwillig (nicht gezwungenermaßen) unterordnet. Da es sich hier um ein Beziehungsmerkmal handelt, ist es nötig, dass eine Beziehung zwischen zwei Hunden entsteht. Hunde, die sich gerade zum ersten Mal sehen, können nur schwer eine Dominanzbeziehung haben. Dein Hund wäre in einer Beziehung der Dominante, wenn er über einen konstanten Zeitraum regelmäßig seine Interessen gegenüber die des anderen Hundes durchsetzt und sich der andere Hund genauso regelmäßig unterordnet, um einen Konflikt zu vermeiden. Es entsteht aufgrund der Dominanzbeziehung kein Konflikt zwischen den Hunden. Dominanz ist also eine Vermeidung von Auseinandersetzung und nicht der Grund für eine solche.

Wichtig: In einer Dominanzbeziehung kann der Dominante zwar jederzeit seine Ziele durchsetzten, er kann sich aber auch zurücknehmen und auf sein Recht sich durchzusetzen verzichten.

Ist mein Hund dominant?

Häufig entstehen in der Beziehung zwischen Mensch und Hund Missverständnisse, durch die der Glaube entsteht, dass dein Hund dir gegenüber dominant ist. Das kann natürlich der Fall sein, jedoch würde es dann bedeuten, dass du dich deinem Hund freiwillig unterordnest.

Macht dein Hund dir jedoch den Platz auf dem Sofa streitig oder zeigt dir die Zähne, wenn du seinem geliebten Knochen zu nahe kommst, hat dies rein gar nichts mit Dominanz zu tun, sondern es handelt sich um Protest gegenüber deiner Maßnahmen. Hier liegt das Problem auf der Beziehungsebene zwischen dir und deinem Hund und kann mithilfe klarer Strukturen und Erziehung auch wieder gelöst werden. Lasse dich hierzu gerne von unseren professionellen Hundetrainern im Trainer-Chat beraten.

Viele Übungen, wie z.B. “Nein” und “Aus”, können dazu beitragen, dass dein Hund spielerisch lernt, Ressourcen mit dir zu tauschen. Ein liebevoll aufgebautes Tauch-Ritual ermöglicht es dir, deinem Hund alles abzunehmen, da er gelernt hat, dass er es gleich wiederbekommt oder sogar etwas viel Besseres von dir erwarten kann. Dieses Vertrauen macht einen großen Teil deiner harmonischen Mensch-Hund-Bindung aus. Nehmen wir unserem Hund hingegen einfach etwas ab ohne unser freundschaftliches Ritual oder bedrohen unseren Hund sogar, indem wir uns über ihn beugen und seinen Stock aus seinem Maul reißen, überschreiten wir eine Grenze! In diesem Fall darfst du dich nicht wundern, wenn dein Hund dir die Zähne zeigt oder knurrt.

Zusammenfassung

Halten wir nochmal fest: Dominanz ist ein Beziehungsmerkmal, welches Konfliktsituationen vermeidet. Für eine dominante Rolle in einer Beziehung ist es nötig, dass sich beide Beziehungspartner kennen und sich ein Hund dem anderen freiwillig unterordnet, um einen Konflikt zu vermeiden. Der dominante Beziehungspartner kann seine Bedürfnisse durchsetzen, muss es aber nicht.

Hunde können gegenüber ihren Menschen Protestverhalten zeigen, welches nichts mit Dominanz zu tun hat. Ein Hund kann nur dominant gegenüber seinem Menschen sein, wenn dieser sich seinem Hund freiwillig unterordnet. Zeigt dein Hund dir gegenüber Drohsignale, wenn du ihm etwas abnehmen möchtest oder dich neben ihm auf das Sofa setzt, muss an der Mensch-Hund-Bindung und dem Vertrauen gearbeitet werden, wie das geht, erfährst du in unserer App.

Von Sarah Mertes

Zertifizierte Hundetrainerin

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