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Tierschutzhunde – Erfahrungsbericht von Frederike

Von 900 Millionen Hunden weltweit, leben 700 Millionen von ihnen auf der Straße.

Dies ist eine enorm hohe Zahl. Aufgrund dessen freue ich mich sowie zahlreiche Tierschützer, über jeden einzelnen Hund aus dem Tierschutz, der ein tolles Zuhause in einer Familie findet.

Seit ein paar Wochen habe ich einen zweiten Hund aus dem Tierschutz. Somit lebe ich mit meiner siebenjährigen ehemaligen Straßenhündin Nala aus Rumänien und einem fünfmonatigen Junghund namens Swift aus Spanien zusammen. Beide haben ihre ersten Lebenswochen und -monate in einem Tierheim verbracht, bis sie zu mir einzogen.

Was es bedeutet einen Tierschutzhund aufzunehmen

Einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren ist eine tolle Sache – sie ist aber auch nicht so einfach. Zuerst einmal muss eine geeignete Tierschutzorganisation gefunden werden – leider gibt es auch hier einige schwarze Schafe. Beide meiner Hunde haben besondere Adoptionsgeschichten und in den meisten Fällen läuft es nicht so, dass man sich irgendeinen Hund aussucht und dieser dann gleich bei einem einzieht. Bei Nala habe ich lange im Internet nach einem passenden Hund gesucht. Sie ist mein erster Hund und ich hatte keine besonderen Vorstellungen davon, was ich von einem Hund erwarte. Es sollte nur die Chemie stimmen. Irgendetwas kam bei allen Hunden dazwischen. Entweder der Hund war schon weg oder irgendwie passte dann doch nicht das Bauchgefühl.

Im Internet gibt es diverse Seiten wie tiervermittlungen.de und edogs.de, auf denen ich ebenfalls geschaut habe, die die zahlreichen Hunde aus Tierheimen in ganz Europa bündeln und auf denen ebenfalls ein Filter gesetzt werden kann. Ich zum Beispiel habe vor ein paar Monaten nach einem männlichen Hütehund-Junghund gesucht, am liebsten ein Border Collie (Mischling). Irgendwann sah ich Swift und es hat sofort geklickt. Er war allerdings schon reserviert. Durch Zufall hat sich ergeben, dass ausgerechnet bei ihm die Interessenten abgesprungen sind und ich ihn doch adoptieren könnte. Bei meiner Hündin Nala hatte ich damals für einen anderen Hund Interesse bekundet, aber die Vermittlerin schlug mir dann Nala vor – eine Hündin die dann mein komplettes Leben veränderte. Die Vorschläge von den Vermittelnden können also sehr hilfreich sein und sollten zumindest bedacht werden.

Kontrolliere auf jeden Fall, ob die Tierschutzorganisation seriös ist bevor du einen Hund aufnimmst. Anzeichen dafür sind, dass sich die Vermittelnden für dich und deine Wohnsituation interessieren, dich ausführlich über den Hund informieren und den Hund im Notfall auch wieder zurücknehmen würden. Außerdem werden in einer seriösen Tierschutzorganisation keine Welpen, die jünger als 16 Wochen sind vermittelt und die ausreisenden Hunde sind geimpft, geschippt und entwurmt.

Ich hatte dann im Jahre 2014 auf den Rat der Vermittlerin gehört und mir die besagte Hündin angeschaut – Nala war schon in einem Tierheim in Deutschland, sodass ich sie vorher besuchen konnte. Dies ist super hilfreich und sollte auf jeden Fall, wenn es möglich ist beansprucht werden. Swift kam direkt aus Spanien. Ihn konnte ich nicht vorher kennenlernen und es war ein deutlich größeres Risiko. In solchen Fällen bemühen sich aber seriöse Tierschutzorganisationen viele Informationen über den Aufenthalt der Hunde zu geben und dich regelmäßig mit Fotos oder Videos zu versorgen.

Nachdem ich mich dann jeweils für den Hund entschieden hatte, wurde bei mir zu Hause eine Vorkontrolle durchgeführt. Dabei wird kontrolliert, ob die Angaben über das Lebensumfeld wirklich stimmen und diese zu dem Hund passen. Im Normalfall entwickelt sich ein nettes Gespräch und ich habe bei Swift auch nochmal ein paar gute Tipps mit auf den Weg bekommen.

Nach der Vorkontrolle wird dann ein Schutzvertrag unterschrieben, welcher von einer seriösen Tierschutzorganisation immer aufgesetzt wird. Und dann beginnt das Abenteuer (neuer) Hund.

Der Weg ins neue Zuhause

Nala habe ich im Tierheim in Deutschland abgeholt. Swift wurde mit einem Transporter nach Deutschland gebracht und ich habe ihn an einer Sammelstelle abgeholt. Dabei ist es super wichtig den Hund gut zu sichern und ihm den Start in sein neues Leben so angenehm wie möglich zu machen. Nachdem Swift viele Stunden im Transporter gesessen hatte, musste er jetzt nochmal 500 Kilometer mit uns ins Ruhrgebiet fahren – eine enorme Beanspruchung für den Hund. Bei der Abholung solltest du deshalb immer eine Begleitung dabei haben – mich hat mein Freund begleitet und uns gefahren, sodass ich mich ganz auf Swift konzentrieren konnte. Jede Stunde haben wir eine kurze Pause gemacht, dafür sind wir von der Autobahn abgefahren und haben uns eine ruhige Wiese gesucht, um die Fremden Reize (z.B. Autobahnlärm) besonders gering zu halten.

Eingewöhnung braucht seine Zeit

Zuhause angekommen erleben die meisten Tierschutzhunde erstmal einen Kulturschock. Nala hatte noch nie zuvor ein Haus von innen gesehen und Swift hatte nur zwischendurch für eine kurze Zeit auf einer Pflegestelle gelebt und dann auch im Tierheim auf ein neues Leben gewartet. Je nachdem wie alt der Hund ist, müssen nun verschiedene Dinge beachtet werden. Nala war damals ungefähr ein halbes Jahr alt und Swift vier Monate. Umso jünger die Hunde sind, umso einfacher und schneller gewöhnen sie sich an ihr neues zu Hause. Achtung – auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel! Da jeder Hund ein Individuum ist, gibt es auch hier sehr große Unterschiede und es kommt sehr auf die Erfahrung des Hundehaltenden und auf die Umstände an.

Als Nala bei mir einzog, hat es viel länger gedauert, bis sie sich eingewöhnt hat. Sie hatte sehr viel Angst und ich war einfach sehr unbeholfen, geschuldet der Tatsache, dass Nala mein erster Hund und allgemein der erste Hund in unserer Familie war. Aber trotz des schweren Starts ist aus Nala trotzdem ein toller Hund geworden. Swifts Eingewöhnung läuft momentan deutlich einfacher. Zum einen, weil er allgemein ein recht aufgeweckter Welpe ist, sobald er seine anfängliche Unsicherheit überwunden hat. Dazu kommt aber, dass ich mittlerweile viel mehr Ahnung von Hunden habe und Nala ihm als souveräner Ersthund ebenfalls viel beibringen kann.

Was du beim Einzug eines Tierschutzhundes beachten solltest.

Allgemein sind aber bei dem Einzug eines Hundes aus dem Tierschutz einige Sachen immer zu beachten. Zuerst solltest du darauf achten, dass der Hund immer gut gesichert sind. Die meisten Hunde kennen keine Autos, keine Fahrräder und sonstige andere Sachen, die für uns alltäglich sind. Damit der neu eingezogene Hund nicht gleich auf der Fahndungsliste landet, sollte er immer entweder mit einem Sicherheitsgeschirr oder mit der Kombination Geschirr und Halsband gesichert werden. Damit der Hund nicht immer an der kurzen Führleine bleiben muss, eignet sich der Gebrauch einer Schleppleine. Zusätzlich solltest du deinem neuen Familienmitglied genügend Zeit zum Einleben zugestehen und nicht zu viel von ihm erwarten. Es ist eine Meisterleistung für jeden Hund aus dem Tierschutz sich in Deutschland einzugewöhnen und das braucht Zeit sowie viele positive Erfahrungen mit fremden Menschen, Hunden und der Umwelt. Ebenfalls solltest du dich intensiv mit der Theorie rund um den Hund und Hundetraining beschäftigen und dir bestenfalls professionelle Unterstützung in Form einer Hundeschule oder einem Hundetrainer organisieren. Auch in der Pupy-App stehen wir dir mit Tipps und Trainingshilfen zur Seite und begleiten dich und deinem Hund bei eurer gemeinsamen Reise zu einem tollen Mensch-Hund-Team.

Auch bei uns hat es mit Nala einige Monate gedauert, bis wir wirklich zueinander fanden. Geholfen hat uns dabei ein gemeinsames Hobby. Jeder Hund profitiert davon, wenn er eine Aufgabe bekommt und auch ich kann es nur empfehlen sich etwas mit dem Hund zu suchen, was beiden Spaß macht. Die nächsten Jahre wird es immer wieder zu kleinen und größeren Problemen kommen, vor diesen Herausforderungen steht man aber mit jedem Hund – egal wo seine Herkunft liegt. Wichtig ist es, sich nicht entmutigen zu lassen und immer weiter nach neuen Lösungen zu suchen. Durch die intensive Beschäftigung mit deinem Hund wirst du dann durch unzählige tolle Augenblicke belohnt.

Ich will mir ein Leben ohne meine zwei tollen Tierschutzhunde Nala und Swift nicht vorstellen.

Adoption eines Hundes aus dem Tierschutz:

Vorteile:

  • Ein Tier bekommt ein besseres zu Hause; aktiver Beitrag zum Tierschutz
  • Sehr viele Hunde im Tierschutz; jeder kann einen passenden Hund finden (selbst „Rassewelpen“)
  • Nicht jeder Hund im Tierschutz hat eine schwierige Vergangenheit oder bringt Probleme mit sich (Informiere dich vorher ausreichend!)

Nachteile:

  • Oft ungewisse Vergangenheit; wenige Informationen allgemein über den Hund
  • Keine Garantie, dass der Hund gesund ist (besondere Vorsicht vor Mittelmeerkrankheiten beim Auslandstierschutz)
  • Mögliche Schwierigkeiten den passenden Hund zu finden, da du den Hund nicht immer vorher persönlich kennenlernen kannst.

Von Frederike Spyrka

Trickdog Trainerin

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